Via Claudia Augusta, Tag 6 – Drei Länder an einem Tag

Gut erholt und frisch gestärkt vom sehr reichlichen Frühstück im Hotel St. Nikolaus starteten wir um 8 Uhr in Burgeis.

Frühstück im Hotel St. Nikolaus in Burgeis


Bis zum Reschensee warteten noch etwa 250 Höhenmeter auf uns, die wir aber rasch und ohne große Anstrengung hinter uns brachten. Auch weil uns die sehr schöne Landschaft immer wieder zum Staunen brachte. Zahlreiche kurze Fotostopps mussten natürlich sein.

Mit dem Erreichen des Haidersees war der größte Anstieg geschafft und die Fahrt dorthin und entlang seines Ufers gehört sicherlich zu den schönsten Abschnitten dieser Radreise.

Durch saftige Wiesen geht es hinauf zum Haider- und Reschensee
Haidersee

Vom Nordufer des Haidersees hat man einen sagenhaften Blick auf den Ortler.

Blick auf den Ortler

Am Ufer des Reschensees kamen wir dem Highlight der Radtour von Verona nach Stegaurach immer näher.

Reschensee

Wir haben es geschafft bis zum Reschensee zu fahren! Von Verona (Meereshöhe 60 m) bis zum Reschensee (1500 m) sind wir mit unseren Fahrrädern emporgestrampelt. Was waren wir stolz und zufrieden dieses Zwischenziel geschafft zu haben. Von nun an geht es tendenziell nur noch bergab, die größten Schwierigkeiten liegen hinter uns. Dachten wir… und ahnten nicht, dass der Fernpass noch auf uns warten würde mit nicht minder anstrengenden Steigungen. Aber dazu später mehr.

Wir haben es geschafft, wir sind am Reschensee!

Den prägnantesten Blickpunkt am Reschensee und das Wahrzeichen des Gebiets stellt der im See stehende Kirchturm des untergegangenen Dorfes Graun dar. Er ragt auch bei hohem Wasserstand aus dem Wasser des Sees. Es ist der aus Gründen des Denkmalschutzes nicht gesprengte Glockenturm der ehemaligen Pfarrkirche St. Katharina.

Am Parkplatz beim Kirchturm gibt es eine Ladestation für E-Bikes. Eine gute Idee, denn egal aus welcher Richtung man kommt, frischen Strom für die Fahrräder kann man gut gebrauchen. Während unseres Aufenthalts nutzten wir natürlich die Gelegenheit die Akkus unserer E-Bikes aufzuladen. Zwar sollte es die nächsten 70 Kilometer permanent bergab gehen, aber ein voller Akku gibt Sicherheit und Flexibilität. Ausserdem gilt: „Steht es, dann lädt es“.

Ladestation am Reschensee

Vorbei ging es an einem der wenigen noch verbliebenen Bauernhöfe am Reschensee. Die Kühe waren irgendwie sehr an meiner Tasche interessiert, obwohl nichts zum Essen darin enthalten war.

Interessierte Kühe in Reschen am See

Kurz danach waren wir am Dach der Radtour angelangt. Der Höhenmesser am Handy zeigte 1505 Meter. Höher sollten wir auf dieser Radreise nicht mehr kommen. Der Stolz, das Glück und die Zufriedenheit ist uns anzumerken.

Von nun an war Genussradeln angesagt, stetig verloren wir Höhenmeter. Vorbei an Skipisten und durch grüne, saftige Wiesen, erreichten wir Österreich. Rechts und links des engen Tals türmten sich die hohen Berge auf und bei Nauders hatten wir noch die Steigung zur Norbertshöhe zu absolvieren, ehe es 6 Kilometer rasante 400 Höhenmeter hinunter in die Schweiz ging.

Genussradeln durch traumhafte Landschaften
Norbertshöhe 1405 m bei Nauders

Von der Norbertshöhe, die ein beliebtes Fotomotiv abgibt, ging es über 11 Kehren fast 400 Höhenmeter hinab nach Martina in die Schweiz. Ja, richtig gelesen. Man fährt einige Kilometer durch die Schweiz. Es empfiehlt sich, auf seinem Handy das Datenroaming auszuschalten, damit es bei der Abrechnung später keine unliebsame Überraschung gibt.

Die Abfahrt ist sehr schön zu fahren, auch weil die Straße in gutem Zustand ist und teilweise neu asphaltiert wurde bzw. gerade wird. Man kann das Rad gut laufen lassen, sollte es aber nicht übertreiben. Ich habe es gar nicht erst versucht einen persönlichen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen. Schneller als 60 km/h bin ich nicht gefahren, obwohl die Versuchung schon groß war meinen Rekord von 77 km/h zu übertreffen.

Am Ende der Abfahrt war auch schon die Grenze von Österreich zur Schweiz. Jedoch gab es keine Kontrollen, so dass wir ungehindert in die Schweiz einreisen konnten.

Grenzübergang von Österreich in die Schweiz

Lange fährt man nicht in der Schweiz, nach ein paar Kilometern verließen wir die gut ausgebaute Straße und machten einen Abstecher nach Altfinstermünz, einer mittelalterlichen Gerichtsstätte und Grenzbefestigung.
Malerisch in der engen Schlucht des Inns gelegen, sind die alten Gebäude ein echter Hingucker. Auch hier mitten in den Alpen machte sich die Dürre der letzten Wochen und Monate in 2022 bemerkbar, führte doch der Inn merklich weniger Wasser als üblich.

Altfinstermünz
Altfinstermünz
Altfinstermünz

Natürlich musste ein Fotostopp an dieser Unterführung bei Tösens sein, so ein Motiv lässt man sich doch nicht entgehen.

15 Uhr war es mittlerweile geworden, als wir in Landeck ankamen, das auf etwa 800 Metern liegt. Das bedeutet seit dem Reschensee waren wir schon 700 Höhenmeter bergab gefahren. Und nicht nur das, wir waren auch schon wieder fast 7 Stunden unterwegs und brauchten eine längere Pause. Diese legten wir in Landeck bei einem Cafe ein, wo wir uns einen großen Erdbeereisbecher und kühle Getränke gönnten.
Auch erfrischten wir die Arme und Beine in einem Brunnen. Am liebsten hätte ich mich hineingelegt! Das Thermometer zeigte auch schon wieder mehr als 30°C.

Erfrischung für den erhitzen Körper

Wir hatten aber noch 55 Kilometer bis zum heutigen Ziel in Nassereith im Hotel Seeblick vor uns. Zum Glück konnten wir während der Pause die Akkus der E-Bikes aufladen. So mussten wir uns um die Reichweite keine Sorgen machen und konnten die restliche Strecke mit höherer Motorunterstützung entspannt fahren.

Ladestation in Landeck

18 Uhr war es, als wir endlich nach 6 Stunden reiner Fahrzeit und 113 Kilometern in Nassereith ankamen. Unsere Räder konnten wir in der hoteleigenen Tiefgarage abstellen.
Obwohl es vom Reschenpass bis nach Imst fast 70 Kilometer eigentlich nur bergab ging (ab Imst ging es dann bis Nassereith 15 Kilometer wieder bergan), waren wir doch recht erledigt und über eine erfrischende Dusche froh.

Jeder Tag auf dieser Radreise hielt bisher tolle Erlebnisse für uns bereit. Aber der heutige Tag war dann doch noch etwas besonderes und wird uns lange in Erinnerung bleiben.

In meinem Komoot-Profil ist der genaue Streckenverlauf zu sehen:
https://www.komoot.de/collection/1701339/-via-claudia-augusta

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