Via Claudia Augusta, Tag 7 – Absturzgefahr auf dem Fernpass

War der gestrige Tag schon gespickt mit Highlights, sollte dieser Tag der Radreise auf der Via Claudia Augusta nicht weniger spektakulär und ereignisreich werden.

Erst einmal genossen wir ein gutes Frühstück im Hotel Seeblick in Nasserreith. Geschlafen haben wir gut, obwohl das Zimmer über keine Klimaanlage verfügte. Aber in der Nacht kühlte das Zimmer auch so gut ab, so dass ein erholsamer Schlaf möglich war.

Die Aussentemperatur war um halb neun Uhr noch angenehm, also sattelten wir die Räder und fuhren los. Vom Start weg ging es rauf, erst gemächlich, dann immer mehr.
Die ersten Kilometer mit Steigungsraten von 2 bis 6 % waren nur der Aufgalopp. Richtig heftig war der Teil der nach oben bis zum Fernpass folgte. Steigungen von bis zu 17 % forderten von Mensch und Maschine alles ab.
Der Radweg ist eigentlich nicht als solcher zu bezeichnen, Mountainbike-Trail wäre richtiger.
Selten breiter als einen Meter, geht es auf der einen Seite steil nach oben, auf der anderen dutzende Meter steil nach unten.
Nicht geübte oder unsichere Fahrer sollten sehr vorsichtig sein, denn die Absturzgefahr ist durchaus gegeben.


Wir hatten das Glück schon am Vormittag diesen Abschnitt zu befahren, der Gegen- oder Überholverkehr hielt sich in Grenzen. Wenn man entgegenkommenden Radler oder langsamer oder gar schiebende Radreisenden ausweichen muss, kann es schon unangenehm gefährlich werden.
Ganz schlimm stelle ich es mir vor, wenn die Strecke nass und vom Regen aufgeweicht ist. Zahlreiche Wurzeln und Steine auf dem Weg erforderten schon bei gutem Wetter und Trockenheit unsere volle Aufmerksamkeit.
Dieser Teil des Radwegs ist wirklich nicht einfach zu befahren. Ohne E-Bike stelle ich es mir sehr anstrengend vor.
Aber landschaftlich und bei schönem Wetter ist es ein Traum! Ständig bieten sich einem fantastische Ausblicke auf die grandiose Bergwelt!

Der Weg ist in Natura genauso schmal wie er auf dem folgenden Bild aussieht. Dafür ist die Aussicht unglaublich!

Aufstieg zum Fernpass
Einer der wenigen ebenen Abschnitte auf dem Weg zum Fernpass
Nein, hier ist niemand begraben
Mir gefallen diese Steinhaufen

Nach 11 Kilometern und fast 500 Höhenmetern war der Aufstieg zum Fernpass geschafft. Auf den nächsten Kilometern konnten wir uns an der tollen Landschaft gar nicht satt sehen. Wir waren froh die größten Anstiege dieser Radtour auf der Via Claudia Augusta geschafft zu haben.
Die entgegenkommenden Radreisenden, die (genauso wie wir und teilweise noch mehr bepackt waren) sich nach oben quälten, hatten noch das Meiste vor sich.

Wir konnten es aber nun rollen lassen und hatten erst einmal keine größeren Steigungen vor uns.

Weißensee

Von Lermoss hatten wir einen sagenhaften Blick auf die Zugsitze.

Postkartenmotiv mit der Zugspitze

Bei Reutte kamen wir zur Highline 179, die eine Fußgänger-Hängebrücke in Form einer Seilbrücke ist. Sie erstreckt sich in einer Höhe von bis zu 113 Metern auf eine Längen von 406 Metern über das Tal. Und nein, wir hatten keine Ambitionen darüber zu laufen. Wir beschränkten uns darauf, unterhalb eine längere Pause einzulegen und währenddessen die Akkus der E-Bikes zu laden.

Hängebrücke bei Reutte

Von Reutte war es dann nicht mehr weit bis Füssen und zum Forgensee. Nach einer kurzen Besichtigungsdurchfahrt der Innenstadt von Füssen überlegten wir, wie weit wir heute noch fahren wollten.

Lechfall bei Füssen
Lechfall bei Füssen
Füssen
Füssen

Wir hatten zwei Optionen: In Füssen übernachten, oder noch ein Stück weiterfahren, damit die verbleibende Reststrecke nach Hause kürzer wird. Wir entschieden uns für die zweite Möglichkeit. Dafür musste aber noch etwas Strom in die Akkus. Bei einem Lidl-Markt im Norden Füssens gibt es eine kostenlose Ladestation. Wir fuhren sie an und machten eine kurze Pause, bei der wir Schongau als neues Ziel festlegten.

Laden bei Lidl

Wer kennt es nicht: Nach Pausen hat man manchmal überhaupt keine Lust mehr weiterzumachen. Mir ging es jetzt so, ich war in einem Motivationsloch. Die Aussicht bei über 30°C noch einmal über 40 Kilometer bis Schongau zu radeln, war nicht sehr reizvoll.
Auch der herrliche Blick über den Forgensee, auf die Berge und Schloss Neuschwanstein konnte meine Motivation nicht steigern.

Forgensee und Schloss Neuschwanstein

Da half nur eines: Ein erfrischendes Bad. Wie ich war, stürzte ich mich in das herrlich kühle Nass des Forgensee. Tat das gut! Meine Motivation war wieder da und wir konnten nun die restliche Strecke in Angriff nehmen.
Und die hatte es in sich.

Ein kurzes Bad im Forgensee

Der Radweg auf der Via Claudia Augusta nördlich von Füssen führt zuerst mehr als 11 Kilometer in Ufernähe des Forgensees entlang, um anschließend durch das leicht hügelige Voralpenland zu gehen. Da auch noch Rückenwind herrschte, flogen die Kilometer nur so dahin und wir waren in einem Stimmungshoch. Die eindrucksvolle Landschaft hatte daran einen großen Anteil.

Die Berge liegen hinter uns, wir haben es geschafft, die Alpen zu durchqueren!

Saftige grüne Wiesen und die Alpen – eine Kulisse wie gemalt

Oft sieht man auf der Via Cludia Augusta diese Meilensteine, die ein wenig über die Geschichte dieser alten Römerstraße erzählen.

Nach 102 Kilometern ab dem Start in Nassereith erreichten wir um 18 Uhr das Hotel Holl in Schongau. Von aussen wirkt das Hotel nicht besonders einladend, dafür sind die Zimmer umso schöner.

Den genauen Streckenverlauf kann man in meinem Komoot-Profil sehen:
https://www.komoot.de/collection/1701339/-via-claudia-augusta

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